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| Eros, Kosmos, Logos. Eine Vision an der Schwelle zum nächsten Jahrtausend
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DER MUT ZUM ALTMODISCHEN DENKEN
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Eros, Kosmos, Logos: Eine Jahrtausend-Vision (Taschenbuch) Bekanntlich krankt unsere Zeit nicht daran, zuwenig Wissen angesammelt zu haben. Die Berge wachsen. Doch Wissen führt nicht auf direktem Weg zur Weisheit und so macht sich ein Unbehagen breit. Nach all dem Forschen und Suchen wird schließlich wieder aus dem „Faust" zitiert und stolz hält man sich für postmodern, was in etwa gleichbedeutend ist mit dem Bekenntnis, daß aus dieser Welt nicht schlau zu werden ist. Das mag am Ende auch stimmen, aber es gibt zumutbare Gründe, warum unser wissenschaftliches Weltbild noch nicht am Ende ist.
Kosmologische Entwürfe, also der Versuch, das Ganze auf einmal zu erklären, sind ja nicht mehr große Mode. Die letzten Universalgelehrten hat man wohl im vorigen Jahrhundert zu Grabe getragen. Aus praktischen Gründen teilt man sich nun die Arbeit auf und erinnert sich gegenseitig daran, über Tellerränder zu schauen, weil zwar der Teufel, aber nicht die ganze Welt im Detail steckt. Hier beginnt der Jammer.
Gewöhnlich sprechen unsere Experten in fächerübergreifenden Diskussionen eine jeweils andere Sprache. Wann konnten sich etwa Psychologen, Theologen, Physiker oder Philosophen auf ein paar Grundbegriffe wie „Natur", „Leben" oder gar „Seele" und „Geist" einigen. Der Widerspruch scheint in unseren Theorien unvermeidlich und wird konsequent der Wirklichkeit unterstellt. Es wird empfohlen, sich die Wahrheit im Plural zu denken.
Ken Wilber hat lange darüber nachgedacht. Er ist der Meinung, daß sich niemand vollständig irren kann und jede gute Theorie durchaus einen Aspekt der Welt erkennt, den sie dann leider schon für das ganze Wesen hält. Wilber vergleicht wissenschaftliche Schulen gern mit den Spektren des Lichts, jeder sieht eine andere Farbe, aber sobald das Geheimnis elektromagnetischer Wellen bekannt geworden ist, sehen sie doch alle dasselbe.
Diesem Geheimnis eines grundlegenden Musters ist Wilber auf der Spur und seine Arbeit stellt verblüffende Vorschläge dar, unser gesamtes Wissen in eine Ordnung zu bringen. Seine Integrationsversuche beziehen auch die Erfahrungen von Religion, Kunst und Alltagskultur ein, was ihm in akademischen Kreisen einen schlechten Ruf oder schlimmstenfalls Ignoranz einbrachte. Tellerränder.
„Eros, Kosmos, Logos" war für mich der Einstieg in Wilbers Denken und ich halte es für sein reifstes Werk. Wer den akademischen Stil nicht mag, sollte seine populärwissenschaftliche Zusammenfassung „Eine kurze Geschichte des Kosmos" lesen. Wer hingegen mit vergleichbarer Literatur intimen Umgang pflegt, wird die Eleganz und Klarheit in Wilbers Darstellung als eine Wohltat empfinden.
Man soll ja vorsichtig mit Schwärmereien sein, aber Leben und Werk dieses Mannes verdanke ich einen guten Teil meines Seelenfriedens. Wilber ist für mich ein Held.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 28. Oktober 2003 | | | | | | | |
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